Was Tesla besser macht als die europäischen Autohersteller

Ich kann nicht beurteilen, ob Tesla die besseren Autos baut und damit die vielleicht pfiffigere Technologie verwendet. Doch eines ist sicher: Tesla denkt bei einem Auto eher an einen Computer auf Rädern. Wohingegen gerade deutsche Autobauer einen Pkw als ein Fahrzeug mit einem Computer sehen. Der Unterschied ist fundamental und führt dazu, dass VW oder auch Audi nun anfangen, massiv IT-Experten zu rekrutieren, weil sie eben zu Tesla aufschließen wollen. Für Tesla ist es beispielsweise kein Problem Over-the-air Softwareupdates auf deren Fahrzeuge einzuspielen. Damit tun sich deutsche Autohersteller noch sehr schwer.

Aber dieser Vorsprung von Tesla in Sachen Software wäre noch zu verkraften, wenn da nicht noch ein weiterer sehr wichtiger Punkte wäre: Tesla hat ein hervorragende Supercharger-Infrastruktur.

(Screenshot von der https://www.tesla.com/de_DE/supercharger)

Bitte schauen Sie sich das Bild genau an: In Jettingen-Scheppach gibt es eine Station und dort sind 8 Supercharger vorhanden!!! Und damit eigentlich relativ wenige. An anderen Standorten sind es 10, 12 oder gar 14 und mehr Ladesäulen. Somit ist als Tesla-Fahrer faktisch immer eine vakante Ladesäule vorhanden.

Zweiter wichtiger Punkt: Die Kosten für das Laden eines Tesla liegen aktuell bei ca. 35 Cent je kWh. Das ist absolut in Ordnung.

Was halten wir – also die deutschen Autobauer – dagegen? Richtig: Ionity-Ladesäulen.

(Von der Webseite ionity.eu)

Auf den ersten Blick sieht das Ladenetz auch sehr gut aus. Auf den zweiten Blick sieht man jedoch, dass je Ladepunkt meistens nur 4 Charger zur Verfügung stehen.

Und: Das Laden kostet aktuell 79 Cent je kWh. Also mehr als doppelt soviel wie das Laden an einem Tesla-Supercharger. Und das obwohl die wichtigen Automobilhersteller Partner von Ionity sind.

(Von der Webseite ionity.eu)

Das verstehe wer mag!!!! Aber immerhin kann man sich bei BMW, Audi, Mercedes etc. mit einer Ladekarte und einem Vertrag ausstatten, um damit dann günstiger an den Ionity-Säulen laden zu können.

(Infos von BMW Charging)

In diesem Beispiel kostet es monatlich 13 Euro, um dann damit für 0,35 Euro je kWh an den Ionity-Säulen laden zu können.

Für mich als BMW i3-Fahrer hat das nicht wirklich eine Auswirkung, denn …

(Screenshots von going electric)

… zum einen kann der BMW i3 „nur“ mit 50 kW DC laden und zum zweiten gibt es fast immer an den Raststationen neben Ionity auch noch andere Lademöglichkeiten: Wie hier (Köschinger Forst an der A9 zwischen Nürnberg und München) beispielsweise der Verbund E-Wald. Dort kann ich den BMW mit 50 kW und ca. 38 Cent je kWh laden – ohne irgendeinen Vertrag.

Klar kann Ionity flotter laden, aber dazu braucht man auch das entsprechende Auto. So wird ein Audi e-tron in der Spitze mit 150 kW geladen. Aber da er mehr Strom verbraucht – ca. 25-30 kWh je 100 km, ist es am Ende wirklich egal, ob ein BMW i3 mit 50 kW oder ein Audi e-tron mit 150 kW geladen wird. Der e-tron ist nach ca. 30 Minuten von 0 auf 80% geladen und kann damit real im Sommer ca. 250 km auf der Autobahn weiter fahren.

Der BMW i3 kann bis 90% Akku mit einer Geschwindigkeit von 50 kW aufgeladen werden und kann damit ca. 250 km weit fahren, bevor er wieder an Strom will. Für diese Ladung braucht er ca. 38 Minuten und es kostet etwa 15 Euro. Die Kosten beim e-tron liegen bei ca. 56 Euro ohne einen Vertrag (79 Cent je kWh) und bei etwa 26 Euro mit einem Abonnement.

Fazit:

Tesla-Fahrer können ein sehr gutes Ladenetz nutzen und die Kosten sind mit ca. 35 Cent je kWh absolut in Ordnung. Wer beispielsweise ein deutsches Fabrikat mit großen Akku fährt, der wird bei den HPC-Ladern (High-Power-Chargern) kräftig zur Ader gelassen. Sollte ein e-tron mal keinen HPC erreichen können, sondern „nur“ einen 50 kW-DC-Lader, dann ist ratzfatz eine Pause von über 1-2 h einzuplanen. Das macht dann keinen Spaß. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist also von enormer Bedeutung, um den Vorsprung von Tesla zu egalisieren.

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